Ausgangslage
Die frühe Kindheit ist eine entscheidende Phase für die sprachliche, soziale und kognitive Entwicklung. Kinder erschliessen sich ihre Umwelt in erster Linie durch aktives Spiel, Bewegung und zwischenmenschliche Interaktion. Gleichzeitig nimmt die Präsenz digitaler Medien im Alltag stetig zu.
Eine gezielte Sensibilisierung von Eltern und Bezugspersonen ist daher zentral. Das Positionspapier der GAIMH (Gesellschaft für Seelische Gesundheit in der Frühen Kindheit) ¹ zeigt, dass insbesondere die Mediennutzung von Erwachsenen die Aufmerksamkeit und die Qualität der Interaktion mit dem Kind beeinflusst. Diese frühen Beziehungserfahrungen prägen die kindliche Entwicklung wesentlich und bilden eine Grundlage für den späteren Umgang mit digitalen Medien.
Aktuelle Erkenntnisse aus der Wissenschaft unterstreichen diese Zusammenhänge und werden auch im Orientierungsrahmen von Alliance Enfance ² aufgegriffen. Dieser betont, dass digitale Medien sowohl Chancen als auch Risiken bergen und ein bewusster, begleiteter und altersgerechter Umgang entscheidend ist. Im Zentrum steht die Stärkung der elterlichen Medienkompetenz sowie die Förderung von gemeinsamer Zeit, Dialog und spielerischem Erleben im Alltag. Auch die Fachstelle Pro Juventute ³ und das Marie Meierhofer Institut für das Kind ⁴ empfehlen, Eltern frühzeitig zu begleiten und für einen reflektierten Umgang mit digitalen Medien zu sensibilisieren.
Mit einer Kampagne kann Emmen frühzeitig präventiv wirken und Familien in einem bewussten Umgang mit digitalen Medien unterstützen. Bestehende Strukturen wie Spielgruppen, Kitas, therapeutische Angebote etc. bieten ideale Zugänge zur Zielgruppe und ermöglichen eine niederschwellige Umsetzung.
¹ GAIMH – Gesellschaft für seelische Gesundheit in der Frühen Kindheit (2023): Digitale Medien und frühe Kindheit. Stand der Forschung, Wirkungen und Empfehlungen
² Orientierungsrahmen von Alliance Enfance, Orientierungsrahmen für Bildung und Betreuung von Kindern; Aktuelle Erkenntnisse aus der Wissenschaft (Alliance Enfance & SSECR, Ausgabe 1/2026)
³ Empfehlungen von Pro Juventute zum Umgang mit digitalen Medien im frühen Kindesalter
⁴ Marie Meierhofer Institut für das Kind (MMI): Grundlagen Forschungsprojekte Kinder und Digitale Medien (KiDiM)
Forderung
Der Gemeinderat wird beauftragt zu prüfen und aufzuzeigen, wie in der Gemeinde Emmen eine koordinierte Präventionskampagne zur Förderung eines bewussten Umgangs mit digitalen Medien in der frühen Kindheit (0–5 Jahre) umgesetzt werden kann. Dabei soll insbesondere eine Zusammenarbeit mit der Suchtpräventionsstelle Akzent geprüft, sowie die Kooperation mit bestehenden lokalen Akteurinnen und Akteuren (Spielgruppen, Kitas, Logopädie, Frühförderung, heilpädagogischem Früherziehungsdienst, Mütter- und Väterberatung, Hebammen) aufgebaut werden.
Im Rahmen der Prüfung soll insbesondere aufgezeigt werden:
- wie gemeinsame Aktionen in Spielgruppen, Kitas und weiteren Einrichtungen gestaltet werden können (z. B. spielerische Auseinandersetzung mit «Medien» ohne echte Geräte),
- wie öffentliche Aktionen zur Sensibilisierung (z. B. im Einkaufszentrum oder im öffentlichen Raum) umgesetzt werden können,
- wie Eltern gezielt angesprochen und in ihrer Vorbildrolle gestärkt werden können,
- wie Fachpersonen in die Kampagne eingebunden und vernetzt werden können,
- welche Rolle die Suchtpräventionsstelle Akzent oder andere Fachstellen in der fachlichen Begleitung und Umsetzung übernehmen können.
Begründung
Ziel ist eine koordinierte, sichtbare und nachhaltig wirksame Präventionskampagne in der Gemeinde Emmen, die Eltern und Bezugspersonen frühzeitig in ihrer Vorbildrolle stärkt und die gesunde Entwicklung von Kindern unterstützt. Eine niederschwellige Prävention ermöglicht es, Familien rechtzeitig zu erreichen, bevor sich problematische Nutzungsmuster verfestigen.
Durch die Einbindung bestehender Angebote und Fachstellen kann auf vorhandene Strukturen aufgebaut und eine breite Wirkung erzielt werden. Die Kampagne leistet damit einen konkreten Beitrag zur Gesundheitsförderung, zur Chancengerechtigkeit und zur Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz.
Claudia Stucki