Ausgangslage
Der aktuelle Jahresbericht 2025 im Bereich Kindesschutz¹ der Gemeinde Emmen zeigt eine besorgniserregende Entwicklung: Die Anzahl Mandate ist hoch und die Fälle werden zunehmend komplexer. Besonders auffällig sind dabei folgende Punkte:
▪ Eine steigende Zahl von Eltern, die in der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind
▪ Zunehmender Schulabsentismus
▪ Konfliktreiche Familiensituationen und fehlende Kooperation mit Behörden
▪ Eine wachsende Zahl von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Belastungen
▪ Engpässe bei Fremdplatzierungen sowie fehlende geeignete Anschlusslösungen
Diese Entwicklungen zeigen deutlich: Wenn problematische Tendenzen bei der Erziehung eines Kindes, nicht frühzeitig angegangen werden und Interventionen zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen müssen, werden Verfahren oft teuer und aufwändig. Das ist nicht nur zum Nachteil der Steuerzahlenden der Gemeinde Emmen, sondern führt auch zu belastenden Situationen für alle im Prozess beteiligten Personen, besonders bei den betroffenen Kindern und Jugendlichen.
Die Gemeinde Emmen hat in den letzten Jahren bereits wichtige Grundlagen geschaffen und mit Angeboten wie den Spielzeiten und dem Spieltraum wertvolle Begegnungsorte für Familien aufgebaut. Diese leisten einen bedeutenden Beitrag zur frühen Förderung und zur niederschwelligen Unterstützung von Eltern. Angesichts der aktuellen Entwicklungen zeigt sich jedoch, dass diese Anstrengungen weiter verstärkt und systematischer ausgebaut werden müssen.
Um das Kindeswohl nachhaltig zu sichern, braucht es eine stärkere Fokussierung auf frühzeitige Prävention und Unterstützung von Eltern. Elternbildung und niederschwellige Begleitung ab der frühen Kindheit können dazu beitragen:
▪ elterliche Kompetenzen zu stärken
▪ Entwicklungsbedürfnisse von Kindern besser zu verstehen
▪ Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu entschärfen
▪ sowie problematische Entwicklungen (z.B. Schulabsentismus, Medienkonsum, Vernachlässigung, Ernährung) vorzubeugen.
Zentral ist dabei eine vertrauensvolle und kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Familien. Diese beginnt nicht erst bei Problemen, sondern von Anfang an – spätestens mit dem Eintritt eines Kindes in ein familienergänzendes Angebot. Niederschwellige Kontakte im Alltag, regelmässige Gespräche sowie gemeinsame Aktivitäten schaffen Vertrauen und bilden die Grundlage für eine tragfähige Zusammenarbeit.
Familien sind vielfältig und leben in unterschiedlichen sozialen und kulturellen Kontexten. Eine erfolgreiche Elternarbeit setzt deshalb voraus, dass Eltern als gleichwertige Partner anerkannt und mit Wertschätzung und Respekt einbezogen werden. Dies stärkt nicht nur die Eltern, sondern auch die Kinder in ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Zugehörigkeit.
Besonders belastete Familien benötigen zudem einen möglichst einfachen Zugang zu Unterstützungsangeboten. Eine gezielte, familienzentrierte Vernetzung der bestehenden Angebote ist deshalb entscheidend. Durch eine enge Zusammenarbeit aller beteiligten Akteuren und Akteurinnen sowie durch gut erreichbare Begegnungsorte im Quartier können Familien frühzeitig erreicht, soziale Isolation reduziert und Entwicklungschancen von Kindern nachhaltig verbessert werden.
Gerade in einer Gemeinde wie Emmen mit vielfältigen sozialen Herausforderungen ist eine gezielte, breit zugängliche und gut koordinierte Elternarbeit zentral.
¹ 16/26 Jahresbericht 2025 (inkl. Jahresrechnung) Gemeinde Emmen 2025 / Seite 139
Forderung
Der Gemeinderat wird beauftragt zu prüfen und Bericht zu erstatten:
- Wie die bestehende Elternarbeit und Elternbildung in der Gemeinde Emmen ausgebaut und systematischer gestaltet werden kann (z.B. sozialpädagogische Familienbegleitung, Elterncoaching) – insbesondere im Bereich der frühen Kindheit (0–5 Jahre).
- Wie niederschwellige, gut erreichbare und bei Bedarf verbindlich ausgestaltete Angebote für Eltern in belasteten Situationen geschaffen oder gestärkt werden können. z.B. durch:
- Frühförderprogramme wie ping:pong von a:primo ² > Gemeinschaftsangebote wie die bunte Spunte aus Stans ³
- Femmes-Tische als Gesprächsformat für Familien ⁴
- Alltagsintegrierte Lerngelegenheiten für Kinder bis 4 Jahre ⁵
- Programme und Elternbildung im Bereich frühe Kindheit – Akzent Luzern – Frühe Kindheit ⁶
- Guter Start ins Familienleben GUSTAF LU (neu ab 2026) ⁷
- «mit mir»-Patenschaften von Caritas Zentralschweiz ⁸
- Wie bestehende Angebote (z.B. Mütter- und Väterberatung, Frühförderung, Spielgruppen, Schule, Hebammen, Delia, Frauenvereine Emmen) noch besser vernetzt und koordiniert werden können, um Eltern frühzeitig zu erreichen.
- Welche zusätzlichen finanziellen oder personellen Mittel notwendig sind, um die frühe Förderung und Elternbildung in Emmen substanziell zu stärken und wie diese Mittel prioritär eingesetzt werden können.
- Inwiefern eine gezielte Aufstockung der finanziellen oder personellen Ressourcen in der frühen Förderung dazu beitragen kann, kostenintensive Massnahmen im Kindesschutz (insbesondere Fremdplatzierungen) mittel- und langfristig zu reduzieren.
² a:primo: https://www.a-primo.ch/de/angebote/ping-pong/was-ist-ping-pong
³ Die bunte Spunte: https://www.diebuntespunte.ch/
⁴ Femmes-Tische: https://www.femmestische.ch/
⁵ Lerngelegenheiten: https://www.kinder-4.ch/start
⁶ Akzent Luzern: https://www.akzent-luzern.ch/praevention/zielgruppe/kleinkinder
⁷ GUSTAF LU: https://gustaf.lu.ch/
⁸ Caritas «mit-mir: https://caritas-regio.ch/angebote/familie/mit-mir-patenschaften?rco=zs
Begründung
Viele Probleme entstehen nicht plötzlich, sondern entwickeln sich über Jahre. Frühzeitige Unterstützung von Eltern ist deshalb nicht nur sozialpolitisch sinnvoll, sondern auch volkswirtschaftlich nachhaltig.
Eine wirksame frühe Förderung basiert auf Vertrauen, Beziehung und gut vernetzten Strukturen. Investitionen in die frühe Kindheit und in die Stärkung elterlicher Kompetenzen zahlen sich mehrfach aus – für die betroffenen Kinder, für die Familien und für die Gemeinde Emmen insgesamt.
Claudia Stucki