Einleitung
Die Zahl der Übergriffe gegen Frauen hat in der Schweiz im Jahr 2025 einen Höchststand erreicht. Diese Entwicklung ist alarmierend und zeigt deutlich, dass Gewaltprävention früher ansetzen muss. Gewalt in Paarbeziehungen entsteht nicht erst im Erwachsenenalter, sondern hat ihre Wurzeln häufig bereits in der Jugend oder sogar in noch früherer Kindheit. Fehlende Beziehungskompetenzen, unklare Grenzvorstellungen und problematische Rollenbilder sind oft Teil davon.
Eine frühzeitige Sensibilisierung von Jugendlichen erfordert fundierte Präventionsangebote. National etablierte und öffentlich unterstützte Programme vermitteln jungen Menschen Kompetenzen, um Gewalt in Beziehungen zu erkennen, einzuordnen und präventiv zu handeln. Im Zentrum stehen die Stärkung von Beziehungsfähigkeit, gegenseitigem Respekt und Gleichwertigkeit sowie die Förderung eines gewaltfreien Umgangs.
Zusätzlich prägen soziale Medien und der frühe Zugang zu pornografischen Inhalten zunehmend die Vorstellungen von Jugendlichen über Beziehungen, Sexualität und Rollenbilder. Über Plattformen wie Instagram, TikTok oder Snapchat werden Beziehungsdynamiken, Körperbilder und Machtverhältnisse oft verzerrt dargestellt und können Grenzverletzungen, Kontrolle oder Gewalt normalisieren. Studien zeigen zudem, dass ein früher und unbegleiteter Pornokonsum das Risiko erhöht, problematische Vorstellungen von Einvernehmlichkeit, Respekt und Gleichwertigkeit zu entwickeln. Umso wichtiger ist es, Jugendliche dabei zu unterstützen, diese Inhalte kritisch einzuordnen und gesunde, respektvolle Beziehungsmuster zu entwickeln.
Forderung
Wir fordern die Prüfung folgender Punkte:
- ob und in welcher Form ein anerkanntes Präventionsprogramm (z.B. fair-lieben, love-limits, Herzsprung oder vergleichbare Angebote) an den Emmer Oberstufen umgesetzt werden kann,
- welche organisatorischen, personellen und finanziellen Voraussetzungen dafür notwendig sind,
- wie Schulsozialarbeit, offene Jugendarbeit und Elternarbeit einbezogen werden können,
- und welche kantonalen oder nationalen Unterstützungs- und Koordinationsstellen in die Umsetzung einbezogen werden können.
Begründung
Die steigenden Zahlen geschlechtsspezifischer Gewalt sowie die gesellschaftlichen Veränderungen im digitalen Raum machen es notwendig, Jugendliche frühzeitig und gezielt in ihren Beziehungs- und Sozialkompetenzen zu stärken. Präventionsarbeit an den Oberstufen kann einen wichtigen Beitrag zur Gewaltreduktion und zur Förderung einer respektvollen Beziehungskultur leisten.
Claudia Stucki